Sennhof-Logo
Dem Tage Leben schenken
Pflegeheim Sennhof

Für beide Seiten eine Bereicherung

Vordemwald Das Pflegeheim Sennhof startet eine Zusammenarbeit mit der Borna Rothrist

Von Corinne Wiesmann
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht steht Corinne Kissling am Bügelbrett. Sicher und geübt führt sie das heisse Bügeleisen über ein Stoffnastuch. «Mir gefällt es hier sehr gut», sagt sie. «Die Arbeit macht mir Spass.» Corinne Kissling ist eine von drei behinderten Personen der Arbeits- und Wohngemeinschaft Borna, die seit kurzem tageweise in der Lingerie des Pflegeheims Sennhof tätig sind.

Fixe Arbeitstage in der Lingerie
«Wir beschäftigten schon früher während etwa drei Jahren eine behinderte Person in unserer Lingerie», berichtet Annelise Müller, Leiterin der Lingerie im Sennhof. Sie hätten gute Erfahrungen gemacht in dieser Zeit. Vor einigen Wochen befand Müller, dass die derzeitige Situation und Konstellation des Lingerie-Teams es erlauben würde, erneut einer behinderten Person einen Arbeitsplatz zu bieten. Nachdem sie mit Heimleiter Urs Schenker Rücksprache genommen hatte, nahm sie mit den Verantwortlichen der Borna Kontakt auf. «Ich bin an einem Nachmittag spontan vorbeigegangen und habe ihnen erzählt, dass wir gerne behinderten Menschen die Möglichkeit bieten möchten, bei uns zu arbeiten», erinnert sie sich lächelnd.

Manfred Trummer, Bereichsleiter Werkstatt bei der Borna musste nicht lange über das Angebot nachdenken. «Eine solche Zusammenarbeit mit dem Pflegeheim Sennhof ist für uns eine erfreuliche Sache», sagt er. Die Arbeits- und Wohngemeinschaft Borna bot zwar bereits vorher externe Arbeitseinsätze an, allerdings sind diese vorwiegend im industriellen Bereich und nur temporär. Die Zusammenarbeit mit dem Pflegeheim ist somit auch für ihn Neuland. Denn in der Sennhof-Lingerie haben die drei Behinderten ihre fixen Arbeitstage. Corinne Kissling beispielsweise arbeitet donnerstags und freitags im Sennhof, ihre Kollegin Sibylle Ettlin ist dienstags in der Lingerie anzutreffen.

Hemmschwellen abbauen
Die Frauen arbeiten jeweils morgens von 8 bis 11 Uhr und nachmittags von 14 bis 16.30 Uhr. Für die Mittagspause kehren sie in die Borna zurück. Fällt eine von ihnen krankheitshalber aus, springt eine der anderen beiden ein. «Sie führen bei uns eher einfache Arbeiten aus, wie beispielsweise Frotteewäsche zusammenlegen oder eben Nastücher bügeln», erklärt Annelise Müller. «Dabei versuchen wir, den Arbeitsalltag möglichst abwechslungsreich zu gestalten.» An jenen Tagen, an denen Corinne Kissling und ihre Kolleginnen Sybille Ettlin und Irene Hunkeler nicht in der Wäscherei arbeiten, sind sie in der Behindertenwerkstatt in Rothrist tätig. Auch das Anstellungsverhältnis läuft weiterhin über die Borna.

Es sei wichtig, dass die Behinderten nach «draussen» gehen und von nicht behinderten Menschen wahrgenommen werden. «So entstehen Diskussionen und es können Hemmschwellen abgebaut werden», meint Manfred Trummer. Hemmschwellen abbauen war auch für Annelise Müller zu Beginn ein Thema. «Es gab ein paar Mitarbeiter, die Berührungsängste hatten», sagt sie. «Aber die konnten schnell beseitig werden. Die drei Frauen haben sich bei uns gut eingelebt.» Müller ist überzeugt, dass die Zusammenarbeit für beide Seiten eine Bereicherung ist. «Alle Beteiligten profitieren davon», sagt sie.

Artikel aus dem "Zofinger Tagblatt" vom 3. September 2011, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.