Sennhof-Logo
Dem Tage Leben schenken
Pflegeheim Sennhof
18. Juli 2011

Park als Friedhof nutzen?

Arbeitsgruppe klärt Machbarkeit von Friedhof oberhalb des Pflegeheims Sennhof ab

Von Corinne Wiesmann


Das grüne Tor steht weit offen. Der breite Kiesweg, der durch das von Bäumen und Sträuchern gesäumte Areal führt, sieht gepflegt aus und lädt zum Betreten ein. Ein paar Sonnenstrahlen dringen durch die Baumkronen. Sie tauchen alles in ein angenehmes, gedämpftes Licht. Es ist still. Nur das Zirpen einiger Grillen und das Dröhnen eines Traktors irgendwo weit entfernt sind zu hören. An diesem friedvollen Ort, etwas oberhalb des Pflegeheims Sennhof in Vordemwald, war dereinst ein Friedhof. Heute erinnert nur noch das Grab von Friedrich Däster, dem Erbauer des Sennhofs, daran.

 

Keinen Bezug mehr zum Wohnort

Geht es nach den Verantwortlichen des Pflegeheims Sennhof, soll der Park zukünftig wieder als Friedhof genutzt werden. «Eine Arbeitsgruppe klärt ab, ob der Friedhof wieder genutzt werden kann», sagt Heimleiter Urs Schenker. Das Land ist im Besitz der Stiftung Friedrich Däster, deswegen haben auch zwei Stiftungsräte Einsitz genommen in der Arbeitsgruppe. Je nach Bedarf sollen zusätzlich Fachleute hinzugezogen werden. Schenker betont, dass der Friedhof voraussichtlich nur für Urnen- und nicht für Erdbestattungen benutzt werden soll. Ausserdem soll alles in einfachem Rahmen gehalten werden und der Aufwand für den Unterhalt in vertretbarem Mass bleiben. «Wir haben immer wieder Anfragen für Abschiede im Sennhof», begründet Urs Schenker die Idee. Mit einem eigenen Friedhof könnte also sozusagen eine Lücke im Angebot geschlossen werden. Es komme oft vor, das Bewohner zu ihrem früheren Wohnort keinen Bezug mehr haben. «Manchmal wohnen auch die Angehörigen nicht mehr in dieser Gegend», sagt der Heimleiter. Der Sennhof aber wurde für viele Bewohner zu einem Zuhause, einem Ort, an dem sie sich wohl fühlen. Da sei es doch naheliegend, dass die Menschen auch dort ihre letzte Ruhestätte finden möchten. Bis Ende Jahr, so hofft Urs Schenker, sollen die wesentlichen Fragen zur Machbarkeit des Friedhof-Projekts geklärt sein.

 

Sakraler Raum für alle offen

«Jeder Todesfall ist anders», sagt Schenker. «Das Thema Sterben ist, wie die Menschen selbst, sehr individuell. » Er rät den Bewohnern schon beim Eintrittsgespräch, mit den Angehörigen offen über das Sterben zu sprechen. «Wissen die Angehörigen über die Wünsche Bescheid, kann das eine grosse Entlastung sein», meint der Heimleiter. Im Sennhof gibt es pro Jahr durchschnittlich 50 Todesfälle. Der Tod gehört hier also gewissermassen zum Alltag. Umso erstaunlicher ist es, dass es bisher keine Kapelle oder Ähnliches im Haus gab. «Wir haben uns schon länger einen würdigen Raum für Gottesdienste sowie für Gespräche mit Angehörigen von Verstorbenen gewünscht», sagt Schenker. Im Zuge der Erweiterung und Sanierung des Pflegeheims wurde dieser Wunsch nun erfüllt.

Der «Raum der Stille», wie der sakrale Raum genannt wird, befindet sich im Untergeschoss des Neubaus des Pflegeheims. Realisiert werden konnte der Raum dank eines namhaften Geldbetrages des Sennhofvereins. Beim Bau wurden vorwiegend natürliche Materialien verwendet. Die Möblierung wurde von Andreas Guyer, Schreiner aus Vordemwald, gestaltet. Der Altartisch und das Kreuz sind aus einheimischem Holz. Wobei das Kreuz bewusst nicht fix installiert wurde. «Wir haben auch Bewohner, die keiner christlichen Religion mehr zugehörig sind», begründet Urs Schenker. Der «Raum der Stille » soll für alle, unabhängig von Religion und Glaube, offen stehen.

 

(Erschienen im Zofinger Tagblatt vom 7. Juli 2011, mit freundlicher Genehmigung der Autorin)

Park beim Pflegeheim Sennhof
Park beim Pflegeheim (Bild C. Wiesmann)

Zurück